Ok, das ist jetzt komisch, dass ich darüber schreibe, wie ich Wäsche wasche. Ich mein Wäsche – das ist so das uncoolste Thema auf diesem Planeten. Da aber genau dieser Planet uns da diesen wahnsinnig krassen Rohstoff Wasser zur Verfügung stellt, ist es vielleicht doch gar nicht so abwägig über das Thema zu reden ( – ok puh noch mal die Kurve bekommen ). Ich halte euch jetzt keine Vorträge über Wasserfootprints in der textil Industrie und wie viel Chemie wo drin ist. Ich erzähl euch jetzt einfach, so wie auf Instagram gewünscht, wie ich meine Textilien pflege und wasche.

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Wie der ein oder andere weiß, ist meine Nachhaltigkeitsdefinition von Textilien vor allem die ( mal abgesehen von einer nachhaltigen Humanökologie im Unternehmen), ein Textil möglichst lang zu nutzen – macht ja Sinn, dazu sind ja Textilien ursprünglich da gewesen.

Sein Textil so zu pflegen, dass es möglichst lange möglichst gut aussieht ist auch gar nicht so schwer und wirkt sich übrigens auch total positiv auf den Geldbeutel aus!

Das ganze mal technologisch betrachtet ist jeder Waschgang, jedes Ausreiben eines Fleckes, jedes Bügeln und jeder Trockner-Lauf eine mechanische Beanspruchung. Nun stellt euch vor, dass euer T-Shirt eben eigentlich aus ganz vielen feinen Fäden besteht und diese Fäden wiederum aus noch feineren Fasern. Jede mechanische Beanspruchung reibt an eurem Faser-Konstrukt, versucht die Farbe die da drin ist raus zubekommen und klaut jedes mal ein bisschen Material.

Die Schlussfolgerung daraus: Je weniger ich mein T-Shirt dieser mechanischen Beanspruchung aussetze, desto langsamer geht es auch kaputt.

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Aber wie mach ich das jetzt konkret.

Punkt 1: 

Ich vermeide allgemein häufiges Waschen von Textilien, die es nicht unbedingt nötig haben, besitze keinen Trockner und Bügel nur das, was unbedingt nötig ist.

Jeans können ruhig mal gelüftet werden. Jeans sind ja ursprünglich als Bekleidung für die allgemeine hart arbeitende Unterschicht entwickelt worden und sollten so einiges aushalten. Wenn ihr sie wascht, natürlich auf links drehen damit sie nicht so schnell Farbe verlieren.

Da Jeans aber meist aus mehr als 90% Baumwolle sind sollten sie eigentlich sogar kochfest sein und wenn sie richtig gefärbt wären auch kaum Farbe verlieren.. 

Wolle ist von Natur aus selbstreinigend und man kann Woll-Textilien einfach lüften. Bei einer Mischung ( Wolle/Acryl oder so) könnt ihr sie erst mal lüften und wenn das nicht hilft mit Feinwaschmittel/ Wollwaschmittel  waschen! Das ist wichtig, da man Wolle mit einem niedrigeren PH Wert als andere Textilien waschen muss.

Punkt 2:

Das mit dem sortieren ist denk ich bei jedem irgendwie anders.

Ich sortiere nicht nach Bunt oder Weißwäsche. Das liegt denk ich vor allem daran, dass man da einzeln/ zu zweit einfach nicht zu viel Dreckwäsche auf einmal produziert. Kenne das von zu Hause aber auch nicht anders (Und ich benutze nur ein Waschmittel und nicht Bunt und Voll aber dazu mehr in Punkt 3). 

Bei mir kommen alle 100% Baumwollsachen die ich zum Schlafen/ im Badezimmer benutze in die 60° Wäsche. Baumwolle ist kochfest und kann sogar bis 90° gewaschen werden! Unterwäsche und Socken egal welcher Farbe kommen bei mir bei 60° in meiner Guppyfriend in die Waschmaschine. Und ehrlich, wenn das Zeug richtig produziert wurde darf es auch nicht ausfärben!

Den Rest wasch ich 30°, also Jeans, Shirts, Pullis, Sportkleidung usw. ( alles mit Synthetik in meiner Guppyfriend). Einmal im 1/4 Jahr mach ich eine Feinwäsche mit Wollsachen, BHs und Blusen o.ä.

Punkt 3:

Waschmittelkunde

Im klassischen Waschmittel sind grob gesagt folgende Zutaten:

Tenside, Basen, Rieselsalz, Dispergatoren, Wasserenthärter, Phosphonate, Bleichmittel, optische Aufheller, Rostschutz, Enzyme ( sorgen dafür,dass man nicht so heiß waschen muss) , Weichspüler, Schaumregulatoren, Konservierungsmittel

das Buntwaschmittel unterscheidet sich in folgenden Punkten davon:

keine Bleichmittel, keine optischen Aufheller, Polymere, die ausgewaschenen Farbstoff auffangen

das Feinwaschmittel hat:

keine Bleichmittel, keine optischen Aufheller, niedrigen PH-Wert wg. Wolle, keine Enzyme 

und das Waschmittel für Schwarzes :

ist reine Psychologie und schlaues Marketing 

So jetzt haben wir mal verstanden wie viel Chemie da eigentlich in unserem Waschwasser rumschwimmt. Ihr versteht, dass ihr, wenn ihr Vollwaschmittel verwendet Bleichmittel auf euer rotes T-Shirt haut und ihr versteht, dass man Perwoll nicht unbedingt drölftausend € für einen Schwarzwaschmittel Werbebullshit in den Rachen schieben sollte.

Ich besitze deswegen genau zwei Waschmittel ( universal Waschmittel und Feinwaschmittel ) , verwende keinen Weichspüler, Buntwaschmittel oder irgendeinen Mist wie  Waschparfüm und solche Späße. Für Flecken verwende ich Gallseife ( gibts bei dm ). Die lass ich einwirken und wasch danach das Textil einfach in der normalen Wäsche mit.

 

Das ist jetzt keine Werbung sondern eine ernst gemeinte Empfehlung

 

Sollte es mal Anfangen im Abdichtungsring eurer Waschmaschine zu stinken.. das liegt an den Enzymen! Wascht ab und an eure Handtücher und Bettwäsche ( 100% Baumwolle only) mit 90° dann ist der Geruch ganz schnell wieder weg!

 

Punkt 4:

Wir haben heut zu tage wirklich ein Krankhaftes was die Tragehäufigkeit unserer Kleidung angeht. Klar, ich kenne Leute die echt krass schwitzen und dann versteh ich auch, wenn sie da nicht unbedingt zwei mal reinschlüpfen wollen. Aber gerade im Winter kann man eine Shirt ruhig mal 2-3 Tage anziehen,  mal ganz abgesehen von Jeans oder Pullis. Alle reden über die Nachhaltige Herstellung von Textilien aber nicht darüber was danach passiert.

Ein Bio fair recycling shit ist nicht nachhaltig wenn es alle zwei tage gewaschen wird und dann noch im Trockner landet!

 

 

Ich wünsche euch noch einen wundervollen Samstag!

 

 

 

 

 

Posted by:franzi slows down

Textile Engineering and Sustainable Blogging with focus on slow fashion

5 Antworten auf „Kleine Wäschekunde

  1. Hello 🙂 oh dankeschön! Hm ich denke man muss das abschätzen, man sieht ja schnell ob die Waschkraft dann ausreicht oder nicht. Zu voll geht nie, aber irgendwann macht es ja keinen Sinn mehr.. Weil das Waschmittel an Flecken nur wirkt wenn das Textil „bewegt“ wird.

    Hab noch einen schönen Tag!

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  2. Vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich hab sehr viel gelernt. Das Waschmittel benutze ich auch und bin ebenfalls sehr zufrieden. Bei zwei Kids fällt mega viel Wäsche an. Hast du eine Meinung dazu, ob man eine Maschine zu voll packen kann?

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