Das hat mich Jenni kürzlich auf Instagram gefragt, und da das ein sehr sehr spannendes und umfangreiches Thema ist, dachte ich, das Ganze in mehrere Parts aufzuteilen.

PT 1 – Übersicht und Einsicht

Zunächst einmal ist dieses Wort „NACHHALTIGKEIT“ irgendwie zum Unwort des Jahres geworden. Alles und Jeder ist Nachhaltig. Also definieren wir uns erst mal das, über was wir genau sprechen:

Einmal gibt es die Nachhaltigkeit in der Produktion und dann gibt es noch den Nachhaltigen Konsum.

Also müssen wir auch die Nachhaltigkeit von Materialien auf Basis dieser Differenzierung argumentieren (Klingt jetzt alles irgendwie viel zu kompliziert und heavy, aber einfach so primitiv die Materialien hinhauen, die unser Gewissen hören will, kann ich leider mit meinem Gewissen nicht vereinbaren – und so schwer ist es gar nicht ).

Die Nachhaltigkeit in der Produktion beinhaltet folgende Punkte:

  • geringer Ressourcenverbrauch
  • negative Auswirkungen auf die Umwelt mindern
  • gesundheitliche Beeinträchtigung der Nutzerin/Beschäftigten verhindern
  • Förderung von humanökoligschen Standards ( Arbeitsrecht, Gewerkschaften etc.)
  • Kreislauffähigkeit des Textils beachten
  • Design des Textils beachten
  • handwerklich sauber Arbeiten

Den Nachhaltige Konsum  beschreiben folgende Punkte:

  • bewusste Kaufentscheidung treffen hinsichtlich Qualität, Sozial- und Umweltverträglichkeit
  • Nutzungsphase von Kleidung und Materialien verlängern
  • Nutzungsphase Maximieren – Konsum Minimieren

 

Was ich euch gleich sagen kann: eine eierlegende Wollmilchsau ( okey weirde Metapher als Veganer ) – ein obstlegendes veganesbrowniehausschwein unter den Materialien gibt es nicht.

Aber tasten wir uns langsam an die Thematik heran:

Wie ihr gesehen habt, können wir einmal Nachhaltige Materialien bezüglich ihrer Herstellung und dann noch bezüglich ihres „Lebens danach“ definieren. Wenn wir Fair Fashion kaufen denken wir oft, beides damit abgedeckt zu haben. Das Dilemma liegt da aber im Detail : Bio Baumwolle ist zwar Umweltverträglicher als konventionelle Baumwolle, aber schwieriger zu Färben und zu Spinnen – weil eben Genmanipuliertes viel homogenere Eigenschaften hat, als seine ungleichmäßige Bio Schwester. Eine Modal/Leinen/Hanf Mischung, auch noch unter fairen Bedingungen hergestellt, mag sich auf den ersten Blick Klasse anhören, geht dann aber nach 30 mal Waschen so kaputt, dass der Faktor „Langlebigkeit“ die Note 6 bekommt. Polyester einer Baumwollmischung beizumischen, kann die Langlebigkeit erhöhen, widerspricht dann aber der Recyclingfähigkeit des Textils. Ich könnte die Liste endlos führen.

Sprich: fair bedeutet nicht gleich qualitativ hochwertig produziert, nachhaltig bedeutet nicht unbedingt gleich fair und nachhaltig bedeutet nicht gleich ökologisch sinnvoll.

 

Puhh ziemlich kompliziert das mit der Nachhaltigkeit von Materialien. Und wir haben jetzt noch gar nicht über Gewinnung der Faser, Färbung oder Transportwege gesprochen, darüber wie lange ihr eure Kleidung tragt, und was es da mit der Waschfestigkeit auf sich hat.

(Weil ich aber selbst lange Posts nie aufmerksam lese, bleib ich erst mal bei den obigen Impulsen und hoffe der ein oder andere liest dann auch die folgenden Teile)

Diesen Post will ich mit einer Frage an euch abschließen:

Welches Kleidungsstück in eurem Kleiderschrank tragt ihr schon am längsten, am häufigsten und warum?  Wann sortiert ihr aus und warum?

 

*Ich freue mich auf eure Rückmeldungen! Habt einen wundervollen Tag*

 

 

 

 

 

 

 

Posted by:franzi slows down

Textile Engineering and Sustainable Blogging with focus on slow fashion

2 Antworten auf „„Ich finde es spannend, die Materialien bezüglich ihrer Nachhaltigkeit zu vergleichen“ – Pt 1

  1. Am längsten besitze ich meinen roten Mantel (6 Jahre). Den trage ich aber immer nur im Frühling und Herbst also in der Übergangszeit. Ich freu mich jedesmal schon drauf! Daher wird er aber nicht oft getragen, gewaschen etc. Er stammt aus Galeria Kaufhof oder so und war ein Geschenk. Neben diesem ideellen Wert ist er einfach genauso, wie ich mir einen roten Mantel wünsche und daher gab es bisher keinen Grund, ihn los zu werden bzw. Zu ersetzen.
    Mein meist getragenes Stück ist die kurze Jeans. Die besitze ich seit 2 Jahren etwa. sie war in irgendeiner Tüte von irgendeiner bekannten, die Kleidung loswerden wollte. Weder vorher noch nachher habe ich eine kurze Jeans gefunden, die so gemütlicj sitzt und gleichzeitig so gut und eigen aussieht!
    Ich finde die Reihe super und freu mich auf den nächsten Teil 🙂

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