Bei all der Instagrammerei habe ich ganz vergessen, dass es tatsächlich noch Menschen gibt, die meinen Blog lesen und vielleicht gar kein Instagram haben. Was mich zu dem Schluss brachte, dass der ein oder andere New York Post zur Verwirrung oder einem Fragezeichen führen kann, denn was zum Herren spring ich jetzt gerade auf New Yorkers Straßen rum und sitze nicht in Reutlingen in einer Vorlesung.

Deswegen habe ich mich jetzt ganz spontan dazu entschieden ein kleines Lifeupdate zu verfassen. Vielleicht, weil ich die auch so gerne bei Anderen lese und wahrscheinlich auch um ein paar Fragezeichen aus dem Weg zu räumen.

Warum New York und was mach ich da also?

Ich studiere einen 8 Semestrigen Ingenieurs Bachelor an der Hochschule Reutlingen, bei dem im 5. Semester ein 6 Monatiges Pflichtpraktikum vorgesehen ist, was ich, so nebenbei, ziemlich sinnvoll finde. Ich hab mich dann letztes Jahr aus einer Laune heraus ohne große Erwartungen bei Stoll beworben. STOLL ist ein deutscher Flachstrickmaschinenbauer mit Hauptsitz in Reutlingen, die verdammt gute Maschinen bauen, ziemlich zukunftsorientierte Entwicklung betreiben und in der Industrie einer der Marktführer für diese Art von Maschinen sind. Wem Adidas Primeknit was sagt oder wer sich schon immer gefragt hat, wo plötzlich die ganzen gestrickten Runningschuhe ohne Lasche in der Metro herkommen; der Urheber ist eine Stoll Maschine. Neben diesem einen prominenten Beispiel gibt es natürlich unendlich viele andere Beispiele. Die moderne Flachstrickmaschine ist ein bisschen wie ein strickender 3D Printer. In der Modeindustrie werden auf Flachstrickmaschinen alle Strickpullis, Mützen und Cardigans, die wir so im Winter tragen, hergestellt. Aber im Endeffekt ist bis zu personalisierten Kompressionsstrümpfen oder Autositzen fast alles möglich.

Long Story short – ich hab die Zusage bekommen und lebe und arbeite jetzt schon seit September hier in New York City in der North American Operations Zentrale von Stoll. Mein Praktikum besteht aus dem Daily Business hier. Wir haben eine kleine in House Produktion, wo wir hauptsächlich für die New Yorker Premium Modeindustrie noch local entwickeln und produzieren. Außerdem gibt es eine Technische Textilien Abteilung, die viel für die Industrie Entwickelt und eben Maschinen verkauft. Ich bekomme also einen Einblick, wie das Business so funktioniert oder wie eben auch nicht – was einer meiner Hauptgründe für die Bewerbung war.

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Outfit N°1: Jeans: 2nd hand Levis irgendwo aus Wien, Schuhe chromfrei und fair von Kavat Sweden, Sweater: Kunden Sample von STOLL America – gestrickt und gefinished in New York City, Mantel: 2nd Hand von einem Charityladen hier der goodwill heißt, Tasche: hab ich auf einem Straßenflohmarkt irgendwo in Brooklyn gefunden

Wie ist das so in New York zu leben? 

New York ist laut, teuer, dreckig, voll und an den falschen Ecken super touristisch. New York ist aber gleichzeitig auch die schönste Stadt, in der ich jemals leben durfte. New York hat Charisma und Charakter. Du musst hier nur die richtige Straße überqueren und kommst von America nach China, von China nach Italien und dann irgendwie ins alte Jerusalem. Wenn ich  in die kleine Bodega gegenüber meines Hotels gehe, um Suppennudeln oder Tomatenmark auf Spanisch zu kaufen, fühle ich mich wie in Lateinamerika und wenn ich dann in die Metro steige, um über die Upper East side zu spazieren, kommt das kleine Gossip Girl Fangirl juchzend in mir hoch und lässt mich sprachlos vor den großen Schaufenstern stehen.  Ich kaufe 3kg rote Dal Linsen bei einem Pakistani, der schon 18 Jahre in New York wohnt und noch immer kaum Englisch kann, in Astoria und fancy zero waste Mandelbutter im Whole foods in Manhattan. Ich liebe Kontraste, Kulturenclashs, verschiedenen Gerüche und Sprachen – und genau das ist New York.

Hier ist irgendwie jeder zu Hause und doch niemand. So schön das mulitkulti Phänomen hier ist, so hart sind auch die Kontraste und der Spalt zwischen super reich und super arm. 22 000 Straßenkinder haben in New York dieses Jahr Weihnachten auf der Straße verbracht- ein neuer Rekord seit der Weltwirtschaftstkrise in den 1930er Jahren. Wer die falsche Hautfarbe hat verdient weniger und wohnt auch nur in bestimmten Vierteln. Jeder macht halt so vor sich hin und versucht zu überleben. Nicht wenige haben 2 oder 3 Jobs nur um die horrenden Mietpreise irgendwie zahlen zu können.

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Outfit N°2: Boots: 2nd hand von Beacons Closet – meinem Lieblings Thriftstore hier, Jeans : 2nd Hand Levis , Rolli: für $5 von Goodwill weil er Mottenlöcher hatte und niemand in wollte – hab ne Stunde geflickt und jetzt ist es einer meiner Lieblingspullis, Mantel: 2nd Hand von einem Charityladen hier der goodwill heißt, Tasche: hab ich auf einem Straßenflohmarkt irgendwo in Brooklyn gefunden, Mütze: kommt auch von Stoll, gestrickt und gefinished in New York

 

Wie ist das so mit Essen und Trinken?

$4.50 sind für einen anständigen Cappuccino normal und wer nicht gerade zu McDonalds oder Kentucky will, zahlt $12 für einen Salat. Es gibt natürlich auch billigere Ecken, aber die muss man erst mal finden ( Hier findet ihr übrigens meinen Food Guide von New York mit vegan und glutenfrei Kennzeichnung ). New Yorker lieben übrigens Einweg Geschirr und Plastik, was es nicht selten zur Herausforderung macht, guten Gewissens hier etwas zu sich zu nehmen, aber mit etwas Übung und Geduld ist alles möglich. Außerdem bin ich nicht „ganz so streng“ mit mir selbst, wie in Deutschland sonst, weil selbst ein wiederverwendbarer Thermocafé-becher sich anfühlt, wie eine Revolution. Das mag frustrieren, aber einen auch ein bisschen aus der Blase holen. Das ist hier Mut zur Unperfektheit und Akzeptanz für die kleinen Schritte.

Was aber echt toll ist – der New Yorker ist ja instant auf Diät, weswegen es total einfach ist ungefähr in jedem Café Mandel oder Hafermilch zu bekommen. Und fast alle Läden sind bereit mir das Essen in meine Tupperbox zu füllen – mein Acai Bowl Mensch findet das sogar so „dope“, dass er mir die Box immer bis zum Rand füllt.

Fürs Lebensmitteleinkaufen gehe ich wahlweise zu einem Supermarkt bei mir in Long Island City oder Trader Joe´s. Letzterer verpackt leider seinen Salat in Plastik, was ich echt uncool finde und den dann woanders hole. Das Grocery Shopping ist hier natürlich auch etwas teurer aber hält sich im Rahmen. Wer in New York selbst kocht und wenig Essen geht, der kann also ein ganzes Weilchen überleben, ohne Pleite zu gehen.

sohoxmas

Outfit N°3: Jeans: 2nd hand Levis irgendwo aus Wien, Schuhe: 2nd Hand von Beacons Closet, Jeans Jacke: 2nd hand von Beacons Closet, Schal: selbstgestrickt, Tasche: hab ich auf einem Straßenflohmarkt irgendwo in Brooklyn gefunden, Handschuhe: Uralt von Mama oder Opa – bin mir nicht sicher.

 

Puh das war jetzt glaube ich genug New York Gefasel  – wer mehr Geschichten hören mag, möge mir das doch bitte in den Kommentaren sagen.

 

 

Posted by:franzi slows down

Textile Engineering and Sustainable Blogging with focus on slow fashion

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