„Perfektionismus steht dir nur im Weg mit Anderen die Welt ein bisschen besser zu machen“ (*mein Herz an mein Hirn*)

Dieser Artikel ist wohl wieder ein bisschen Selbsttherapie, aber erfahrungsgemäß kommt das bei euch eh am Besten an:

Es geht um einen Struggle an dem ich ehrlich gesagt selbst schuld bin, und der mich die letzten 6 Monate nicht selten schlaflose Nächte gekostet hat.

Vor 3 Jahren hab ich mir gesagt, dass ich nichts mehr kaufe. Sollte ich etwas kaufen, dann nur wenn ich etwas Anderes verkauf oder es kaputt geht. Das hat echt voll gut geklappt und mir gings voll gut dabei. Und eigentlich ist das ja das Wichtigste. Wenn man was durchzieht, dann nur dann, wenn man das halt 100% cool findet.

Dann bin ich nach New York gegangen. Und ich will das erzählen, weil es mir hier um Authentizität geht. Ich hab nämlich gemerkt, wie ich mich angefangen hab zu rechtfertigen – und das ist doof. Das raubt mir Energie und dieselbige ist so viel besser, in andere Gedanken investiert, die die Welt wirklich besser machen.

P1130385.jpg[ 2nd Hand Coat, Sweater and Pants, Bag by Stoll America, Shoes via Kavat Sweden ]

Ich würde mal behaupten, dass der Struggle den ich hier hab, Jammern auf hohem Niveau ist. Aber ich denke, dass es wichtig ist über Unperfektionismus zu reden, damit dieses Welt ein bisschen besser machen auch Spaß macht.

Im Endeffekt habe ich mein Regelwerk gebrochen und wohl den ein oder anderen 2nd Hand Pulli mehr gekauft als ich eigentlich hätte sollen.

Ich habe tatsächlich auch Teile hier verkauft, um noch so ein bisschen, den mir selbst auferlegten Rahmen zu halten, aber halt definitiv nicht so wie ich es die letzten 3 Jahre durchgezogen habe.

New York ist ein Paradies was 2nd Hand Läden angeht. Das soll jetzt keine Rechtfertigung sein, sondern eine Feststellung. Hier gibt es Läden, die wie offline Kleiderkreisel funktionieren. In meinen Augen eine tolle Idee, weil die Teile nur ausgewählt in den Laden kommen, und man sich eben nicht durch Klischee Ramsch wühlen muss. Außerdem fallen doofe Versandkosten und das Ganze drum herum weg. Man kann anprobieren und vermeidet so Fehlkäufe oder Qualitativ versteckte Mängel.

hey.jpg[ all thrifted ]

Man tappt eben aber auch in die Konsum Falle. Und Konsum ist nie cool, selbst wenn man ihn auf die Circular Fashion Methode schiebt, die in solchen „offline Kleiderkreiselläden“ ja unterstützt wird. ABER und jetzt kommt das Aber. Folgendes ist der Entschluss, zu dem ich nach 6 Monaten gekommen bin und mir nicht mit Selbstrechtfertigung und Vorwürfen selbst auf die Nerven geh.

Entweder ich mach mich jetzt fertig und verschwende Stunden damit, mir selbst zu erklären, warum ich diese 2nd Hand Jeansjacke gekauft hab und ob die jetzt additiv ist oder nicht. Oder ich bin verdammt stolz auf mich, dass ich seit 2015 keinen einzigen Fast Fashion Laden mehr betreten habe und mein Kleiderschrank aus Teilen besteht, die ich eben jetzt schon länger als 4 Jahre trage, 2nd Hand Teile die ich auftrage und gaaanz vereinzelt Fair Fashion Teile, bei denen ich sozial und ökologisch gerechte Unternehmen unterstützt habe.

Und ich glaub, das ist ein Punkt, an dem schon Viele standen, die sich mit dem Thema Nachhaltiger Leben & Co auseinandersetzten. Man taucht immer tiefer in die Thematik ein und irgendwann macht einen dieser Weltschmerz so verrückt, dass man sich selbst mit ich muss jetzt unbedingt perfekt leben und die Welt damit retten und was ist eigentlich dieses perfekt leben und und und verrückt macht.

Man wird die Welt als einzelner Mensch nicht retten können.Man kann aber einen Positiven Impact schaffen, wenn man zu 100% mit dem Happy ist, was man tut, und so andere dazu inspiriert, mit zumachen.

Wir haben keine Zeit uns an persönlichen Kleinigkeiten aufzuhängen, sondern müssen das Bigger Picture sehen, und das ist in dem Fall NICHT, sich darüber zu wundern, warum man jetzt einen 2nd Hand Pulli zu viel gekauft hat, SONDERN sich lieber darauf zu fokussieren, irgendwie als positive Inspirationsquelle in das Fast Fashion Game zu krätschen.

Was ich also gelernt habe ist, dass es unnötig ist, sich selbst dauernd zu korrigieren. Weil dann kommt man in diesen Teufelskreislauf rein der gerade online so abgeht:  eigene Unzufriedenheit spiegelt sich so oft in dieser ganzen Öki- Debatte wieder. Was werden Menschen, die einfach nur für und nicht gegen eine bessere Welt stehen, kritisiert,wenn sie einmal im Schaltjahr dann halt doch einen To-Go in der Hand Halten oder ne Avocado essen. Selbst Greta Thunberg musste ein Statement schreiben, dass sie nicht bezahlt wird für ihre Streiks und ,dass sie alles selbst stemmt. Das ist doch absurd. Kritik an Anderen ist also ziemlich oft ein Spiegel dafür, dass man genau bei diesem Thema selbst ein Problem mit seinem eigenen Verhalten hat. Und sowas brauchen wir gerade nicht, das ist verschwendete und falsch investierte Energie. Mutter Erde braucht uns woanders dringender.

Es ist also vollkommen o.k., dass ich jetzt halt eine 2nd Hand Teil mehr besitze, als meine Regel eigentlich zulassen würde.

Ich hab gelernt, dass ich nie der Pinterest Minimalist sein werde, den ich so gerne in mir sehen würde.

Ich habe aber gelernt, dass es mir gerade verdammt gut geht, und ich genau so, Spaß daran habe, anderen zu zeigen, wie cool es sein kann, wenn man einen 2nd Hand Wollpulli mit ggf. einem Mottenloch kauft und den dann zeitaufwendig flickt, anstatt im H&M irgendwas mit 100% Acryl zu kaufen, dass dann nach 10 Waschgängen eh ausgewaschen ist und stinkt.

P1130750

[ das ist der Pulli den ich 1 Stunde lang geflickt habe, weil er Mottenlöcher hatte. Hab ihn so vor dem Müll bewahrt und liebe ihn.  Wie man ein Loch flickt findet ihr in meinen Highlights auf Instagram @unpetitsourireslowsdown unter “ Behind the Scenes“ )

Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass ich plötzlich alles was ich jeh über Senkung des Konsumniveaus gesagt habe, vergessen habe. Es geht mehr darum, raus aus dieser selbstzerstörerischen Perfektionsspirale zu kommen, die es mir nie 100% zulassen wird, authentisch und selbstsicher über meinen eigenen Textilkonsum zu sprechen.

Mich hat vor kurzem eine Followerin gefragt, aus wie vielen Teilen mein Kleiderschrank besteht, und ganz ehrlich ? Ich habe noch nie gezählt. Was ich aber weiß ist, dass ich jedes einzelne Teil kenne und liebe, dass ich jetzt wahrscheinlich erst mal nichts mehr kaufen werde und eher schaue, dass ich für ein paar Teile in meinem Schrank einen neuen Besitzer finden werde. Dass ich jedes mal, wenn ich gefragt werde, wo ich meine Sachen gekauft habe, Slow Fashion ein bisschen normaler mache. Dass ich mich vor allem nicht daran aufhänge, mal meine eigene Regel gebrochen zu habe, sondern jetzt einfach wieder weitermache wie bis her: „Ich kaufe nur dann, wenn was altes kaputt geht oder ich es verkauft/ verschenkt habe. Wenn ich kaufe dann fair oder (primär) second Hand. “ 

 

***Ende der Therapie Sitzung***

 

2 Kommentare zu „„Perfektionismus steht dir nur im Weg mit Anderen die Welt ein bisschen besser zu machen“ (*mein Herz an mein Hirn*) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Moin Franzi,
    Sehr schöne Einblicke in deine Gedanken ;)
    Ja, man hat seine Regeln und online sind die Leute so kritisch und suchen stets das Haar in der Suppe.
    Ich glaube es liegt zum einen an der Anonymität des Internets (auf der Straße würde die Leute niemals den Mumm haben) und zum anderen ist es die eigene Unzufriedenheit, die diese Menschen damit kompensieren, indem sie andere Leute schlecht darstellen bzw. fertigmachen, weil sie sich in einer einzelnen Situation nicht 100% nachhaltig verhalten haben.
    Das ist echt traurig, dass viele Menschen in der Gesellschaft damit beschäftigt sind Fehler anderer zu suchen, darin zu bohren anstatt sich einzugestehen, dass sie eher mit sich ein Problem haben und daran arbeiten.

    Eigene Regeln für ein nachhaltiges und bewussteres Leben sind sicher nicht schlecht, doch sollte man nicht zu streng mit sich sein. Nobody is perfect und genau das macht den Menschen aus.

    Liebe Grüße, Sandra

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.